Neu: „Auf den Spuren der Freimaurer in Wien“

Herzstück des Buchs sind drei auch als solche bezeichnete Stadtführer: drei Wege durch die Wiener Innenstadt vorbei an vielen Örtlichkeiten und Adressen, die etwas mit Freimaurern oder Logen zu tun hatten oder immer noch haben; natürlich jedesmal angereichert mit den für das Verständnis notwendigen Informationen. Der erste Weg bezieht sich auf das 18. Jahrhundert; der zweite folgt den sage und schreibe 14 Adressen, die der Freimaurer Wolfgang Amadeus Mozart in seinen zehn Wiener Jahren bis zu seinem Tod bewohnte; und der dritte Weg konzentriert sich auf das 20. und das 21. Jahrhundert.

So heißt ein Buch, das Ende November 2019 erschienen ist. Der Autor Robert Minder war vor einigen Jahren Chef des Archivs der ‘Großloge von Österreich’. Spätestens damals begann er, die vielen Unterlagen zu sammeln, die ihm schließlich zum Rohstoff für dieses Werk wurden: ein Buch über die vielen großen und kleinen Spuren des Freimaurerlebens in der österreichischen Hauptstadt seit dem frühen 18. Jahrhundert bis heute. Ein „masonischer Stadtführer“, wie das Buch im Untertitel heißt. 

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Nach 81 Jahren Bücher-Restitution

Und wieder kehrte Nazi-Raubgut zurück zu uns: wie schon vor drei Jahren aus der Bayerischen Staatsbibliothek jetzt Anfang 2019 aus der Staatsbibliothek zu Berlin. Diesmal waren es 26 historische Bücher, die unseren freimaurerischen Vorfahren 1938 von den Nazis geraubt wurden.

Die beiden Bibliotheken können nichts dafür, sie haben es lange nicht gewusst; und wir auch nicht. Die Restitution wurde möglich, weil in den vergangenen Jahren überall das Bewusstsein dafür zugenommen hat, dass von den Nazis beschlagnahmte Kunstwerke und Bücher zurückzugeben sind. Dafür braucht es aber auch Informationen von den Bestohlenen.

Wie bei den Münchner Bänden lieferte uns der Wiener Digitalbuch-Sammler Wolfgang Nimmerrichter nun auch bei den Berliner Büchern die entscheidenden Hinweise. Die Staatsbibliothek zu Berlin nahm das zum Anlass, noch tiefer in ihre Bestände zu blicken – Provenienzforschung nennt man das. Sie überprüfte ihre Erwerbungsakten sowie die Stempel und handschriftliche Vermerke in den Büchern selbst. Und so kamen schließlich 26 Bücher zum Vorschein, die uns zustehen.

Dieses von Wolfgang Nimmerrichter im Online-Katalog der Berliner Staatsbibliothek (früher Preußische Staatsbibliothek) entdeckte Buch gab den Anstoß. Es dürfte irgendwann vor dem Ersten Weltkrieg von der Wiener Grenzloge ‘Socrates’ angeschafft worden und 1918 nach der Gründung der ‘Großloge von Wien’ (= früherer Name der Großloge von Österreich) in deren Besitz gekommen sein.

Wie dieses Buch stammen auch andere, die jetzt zurückgegeben wurden, aus dem 18. Jahrhundert. Sie haben nicht nur einen Marktwert, sondern – und das ist uns noch wichtiger – für uns auch einen ideellen Wert und werden daher auf Dauer in unsere Bibliothek eingereiht.

Mehr Informationen über das Schicksal der uns von den Nazis geraubten Bücher 1938 und danach: hier

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70 Jahre Menschenrechte

„Jeder Mensch hat Recht“ – So überschrieb die angesehene Tageszeitung SALZBURGER NACHRICHTEN einen Artikel zum 70. Geburtstag der UNO-Menschenrechtserklärung am 10. Dezember 2018. Peter Gnaiger interviewte dazu den Grazer Künstler Oskar Stocker, den Mönch und früheren Abt des Stifts Melk Burkhard Ellegast sowie Georg Semler, Großmeister der Großloge von Österreich. Weil – so heißt es in der Einleitung – „die diskrete Gesellschaft der Freimaurer in einem besonders engen Verhältnis zu den Menschenrechten steht.“ Wobei der Autor den Begriff der Menschenrechte durchaus weit interpretiert: auch im Sinne einer allgemeinen Humanität von Mensch zu Mensch. Auszüge aus dem Gespräch mit dem Großmeister.

▶︎ Glauben Freimaurer an die Möglichkeit der Besserung aller Menschen? – „Man darf nicht sofort allzu scharf urteilen. Aber es muss auch klar erkennbar sein, dass die Akzeptanz der Menschenrechte und der Humanität jedem Bruder wichtig ist. Im Umkehrschluss gilt natürlich auch, dass Brüder, die dagegen schwer verstoßen, den Bund – wie wir sagen – unehrenvoll verlassen müssen.“

▶︎ Können Sie die freimaurerischen Ideale etwas genauer umschreiben? – „In der Zeit der Aufklärung wurden sie noch mit Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gleichgesetzt, sowie mit der Toleranz und der Humanität. Heute interpretieren wir diese Begriffe moderner. Die Freiheit hat uns zur Demokratie geführt, die Brüderlichkeit zur Menschlichkeit und die Gleichheit zur gelebten Solidarität. In der Freimaurerei gelten diese Ideale als unantastbar.“

▶︎ Begreifen sich die Freimaurer als Elite? – „Im Sinne einer Elite beim Einkommen oder bei der Bildung sicher nicht. Aber was Moral, Anstand und Herzensbildung betrifft, ja, da sind wir elitär.“

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8. Dezember 2018

Der 8. Dezember 2018 war für uns ein ganz besonderer Feiertag: der hundertste Geburtstag unserer Großloge. Sie wurde am 8. Dezember 1918 gegründet, einen Monat nach Ende des Ersten Weltkriegs, dem Zusammenbruch des Kaiserreichs und dem Start der Republik. Auf den Tag genau hundert Jahre danach haben wir das nun gefeiert: mit einer großen sogenannten Festarbeit im Festsaal der Wiener Hofburg. An die tausend Brüder aus ganz Österreich haben daran teilgenommen.

Das Foto zeigt den mittleren und vorderen Teil des Festsaals gegen Ende der Veranstaltung, als alle Brüder wie bei jedem rituellen Treffen einander die Hände reichten und so eine Kette bildeten, womit die Zusammengehörigkeit aller Freimaurer und letztlich aller Menschen symbolisiert werden soll.

Im Mittelpunkt der zweistündigen Veranstaltung stand eine multimediale Performance: In Wechselreden deklamierten fünf im ganzen Saal verteilte Brüder nach einem genauen Drehbuch die Geschichte der österreichischen Freimaurerei von den Anfängen im 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart – begleitet von einem kleinen Orchester mit Musik und historischen Liedern.

Das Drehbuch der multimedialen Performance kann hier nachgelesen werden.

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Die Republik und wir feiern heuer 100 Jahre

Die Großloge von Österreich wurde nur wenige Wochen nach der Republik Österreich gegründet: am 8. Dezember 1918. Auch wir wurden heuer also 100 Jahre alt. Diese Gleichzeitigkeit freut uns sehr, haben wir der Republik doch unsere Entstehung zu verdanken.

Die Monarchie vor 1918 hatte Freimaurerlogen (so wie auch viele andere Vereinsgründungen) ein Jahrhundert lang verboten – abgesehen vom zaristischen Russland schon damals in Europa ein autoritäres Unikum. Wie vieles änderte sich das 1918 mit der neu entstanden Republik schlagartig: Durch ein demokratisches Vereinsrecht ist es seitdem möglich, Vereine zu gründen, wenn diese den Gesetzen entsprechen. Und das tun wir natürlich.

Unser Jubiläum feiern wir in diesem Herbst dreifach: Wie in einer Familie nach innen – aber ebenso nach außen mit der 100-Jahre-Ausstellung im Freimaurer-Museum Rosenau (siehe in diesem Blog drei Einträge weiter unten) – und schließlich international mit 36 (!) anderen befreundeten ausländischen Großlogen, deren führende „Officers“ ihre Glückwünsche höchstpersönlich nach Wien überbrachten. Gemeinsam mit diesen illustren Gästen feierten unsere demokratisch gewählten Spitzenfunktionäre am 6. Oktober stellvertretend für alle unsere 3.600 Brüder im Dachgeschoß des Wiener Logenhaus eine sogenannte rituelle Festarbeit, auf die wir Sie gern einen Blick werfen lassen:

Mehr Infos: hier

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Ein Grazer Geheimnis

Wenn ein Freimaurer in Graz beim Zugang zur Terrassenhaussiedlung Sankt Peter an dieser übermannshohen Erinnerungstafel vorbei geht, wird er wohl stehen bleiben und sich wundern. Er wird erstaunt sein, weil er diese Säulen mit den beiden Buchstaben B und J aus den Tempeln kennt, in denen die Logen ihre rituellen Treffen abhalten. Aber was soll das hier bedeuten … an einer Hausmauer?

Die Antwort ist einfach: Walter Laggner (1923 – 1997), einer der Architekten der Siedlung, war ein Freimaurer. Und offenbar haben ihm wohlmeinende Architektenkollegen hier ein Denkmal gesetzt.

Mehr als zweimal drei Meter misst das „kleine“ Denkmal: siebeneinhalb Quadratmeter. Die Terrassenhaussiedlung ist ein reichgegliederter Gebäudekomplex aus den 1970er Jahren mit mehr als 500 Wohnungen. Details hier

Das Foto sandte uns ein deutscher Freimaurer, der dort wohnt, mit folgenden Zeilen: „Auch wenn diese ’Verewigung’ aus den 1990ern stammt, so ist sie doch ein seltenes Beispiel dafür, dass der Freimaurerei verbundene Menschen in der heutigen Zeit noch Spuren auf und an Bauwerken hinterlassen. Ich habe bei der Hausverwaltung nachgefragt, ob mir jemand zu dieser Gedenktafel eine Auskunft erteilen kann. Da weiß aber niemand etwas über die Entstehungsgeschichte und die symbolische Bedeutung.“

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Eine Freimaurer-Ausstellung in Kärnten

Im Schloss Möderndorf südlich von Hermagor befindet sich das liebevoll gepflegte Gailtaler Heimatmuseum. Im vergangenen Jahr ließ sich die Museumsleitung von der erfolgreichen Freimaurer-Ausstellung in der Österreichischen Nationalbibliothek inspirieren, und so widmete sie heuer ihren traditionellen Kultursommer diesem Thema.

Im vollbesetzten Veranstaltungssaal des Schlosses wurde ein Film über die Freimaurer gezeigt, gefolgt von einer Diskussion, bei welcher der Wiener Freimaurer Rüdiger Wolf auf die vielen Fragen einging, die aus dem Publikum gestellt wurden; Rüdiger Wolf war viele Jahre lang Direktor des Freimaurer-Museums Rosenau in Niederösterreich.

Noch bis in den Sommer hinein sind im Gailtaler Heimatmuseum 37 freimaurerische Exponate wie Schurze, Werkzeuge oder Bilder zu sehen, unter anderem auch eine Kopie des berühmten Logenbildes aus dem späten 18. Jahrhundert, dessen Original im Wien-Museum hängt: Infos zum Bild

Schloss Möderndorf: 50 Kilometer westlich von Villach im Kärntner Gailtal

Zum Gailtaler Heimatmuseum im Schloss Möderndorf

Angeregt durch das Interesse der Besucher hat sich die ambitionierte Museumsleitung entschlossen, der Freimaurer-Ausstellung weitere Präsentationen über Bünde, karitative Vereinigungen und so fort folgen zu lassen.

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Freimaurermuseum Rosenau: Sonderausstellung 100 Jahre

HOFFNUNG ➤ VERNICHTUNG ➤ NEUBEGINN … 100 Jahre Freimaurerei in Österreich.

Am Ende des Ersten Weltkriegs im Herbst 1918 zerfiel das von den Habsburgern regierte Vielvölkerreich Österreich-Ungarn in seine nationalen Einzelteile. Einer dieser Teile wurde die Republik Österreich, eine Demokratie mit einem modernen Vereinsrecht, wodurch die Gründung von Freimaurerlogen möglich wurde.

HOFFNUNG: Schon wenige Wochen nach Kriegsende übersiedelten Logen, die von Österreichern im diesbezüglich liberaleren Ungarn gegründet worden waren, nach Wien und bildeten hier eine Großloge. Die Zeit der freimaurerischen Hoffnung begann. Die neue österreichische Freimaurerei wuchs in den folgenden Jahren auf fast 2.000 Mitglieder an.

VERNICHTUNG: Leider dauerte diese Zeit der Hoffnung nur bis in die frühen 1930er Jahre. Durch erste Repressionen im austrofaschistischen Regime ging die Zahl der Brüder auf weniger als die Hälfte zurück. Und als dann 1938 die Nazis auch in Österreich an die Macht kamen und das Land an Hitler-Deutschland anschlossen, begann die Zeit der Vernichtung. Diese dauerte bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945.

NEUBEGINN: Ein paar Monate nach dem Krieg trafen sich im zerstörten aber wieder selbständigen Land gerade einmal ein paar Dutzend überlebende Freimaurer: zuerst in Kärnten und in Wien. Die kleine Gruppe schaffte einen Neubeginn, der nach einiger Zeit parallel mit der langsamen Erholung des Landes in ein Wachstum überging, das bis heute anhält.

Die Sonderschau zeichnet diese Entwicklung mit vielen Exponaten und mit moderner Museumsdidaktik nach: im Freimaurermuseum Schloss Rosenau bei Zwettl in Niederösterreich – täglich von 9 bis 17 Uhr.

Ein Ausschnitt aus dem Folder für die Ausstellung: Vor dem Wiener Parlament wird am 21. Oktober 1918 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung die Republik ausgerufen. Vieles kommt nun in Bewegung, und so wird am 8. Dezember auch die Großloge von Österreich gegründet. Großmeister wird der Anwalt Richard Schlesinger. Er leitet die Großloge zwanzig Jahre lang und stirbt 1938 im Nazi-Gefängnis. – Rechts das schöne Schloss Rosenau im Waldviertel mit Museum, Restaurant und Hotel.

Dies ist ein Link zu weiteren Informationen

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Schweigeminute für März 1938

Vor genau 80 Jahren im März 1938 wurde von den Nazis nicht nur der Staat Österreich aufgelöst, sondern auch die österreichische Freimaurerei ausgelöscht.

Am 13. März 1938, also nur einen Tag nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich, begann ein aus Berlin nach Wien eingeflogenes „Freimaurer-Sonderkommando“ der SS mit der Verhaftung führender Freimaurer und mit dem Diebstahl von Logeneigentum.

Am Tag danach wurden alle österreichischen Stuhlmeister von der Gestapo vorgeladen. Die Nationalsozialisten befahlen die Auflösung aller Logen und beschlagnahmten die Logenvermögen. Der schwerkranke Großmeister Richard Schlesinger geriet in Gestapo-Haft, an deren Folgen er am 5. Juni, unter Polizeiaufsicht stehend, starb.

80 Jahre danach gedachten die 75 Logen der ’Großloge von Österreich’ dieses traumatischen Ereignisses in einer Schweigeminute. Damit wollen wir – so Großmeister Georg Semler in einem Brief an alle 75 Stuhlmeister – „an das Leid der Brüder erinnern, von denen viele in Konzentrationslagern ermordet wurden”.

Link zu mehr Informationen über die damaligen Ereignisse

Richard Schlesinger, Großmeister von 1918 bis 1938:

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Deutlich mehr als 200.000!

So viele Menschen strömten im zweiten Halbjahr 2017 in den Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek zur Freimaurer-Ausstellung: jeden Tag mehr als tausend Besucher.

Generaldirektorin Johanna Rachinger: „Mit über 200.000 Besucherinnen und Besuchern ist die Ausstellung ’300 Jahre Freimaurer – Das wahre Geheimnis’ eine der erfolgreichsten Ausstellungen der Österreichischen Nationalbibliothek. Ich freue mich sehr über dieses große Interesse und bedanke mich bei der Großloge von Österreich für die gute und professionelle Zusammenarbeit.“

Und Großmeister Georg Semler: “Der Prunksaal der Nationalbibliothek hat sich als idealer Ort für die große Ausstellung erwiesen. Entstanden am Beginn des Zeitalters der Aufklärung versinnbildlicht dieser wunderbare Saal gleichsam auch die Vernunft als Prinzip freimaurerischen Denkens. Das enorme Interesse der Öffentlichkeit und der Medien bestätigte eindrucksvoll, wie richtig und wichtig die Entscheidung war, die große Schau über unsere Geschichte aber auch über unser Selbstverständnis zu ermöglichen. Wir danken Frau Generaldirektorin Rachinger dafür. Die Wahrnehmung des Bundes in der Öffentlichkeit ist dadurch deutlich anders und vor allem wohlwollender geworden.“

Link: Reaktionen der Besucher

Am 7. Jänner kamen die letzten Besucher, und am 8. wurde das Plakat über dem Haupteingang der Nationalbibliothek eingeholt, um Platz für das nächste zu machen: „650 Jahre Nationalbibliothek“ (seit 26.1.).

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