Wien: Hommage an Bruder Nikos Kazantzakis

Nikos Kazantzakis (1883 – 1957) war einer der bedeutendsten und weltweit am meisten übersetzten griechischen Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts. Weltberühmt wurde er durch seinen Roman Alexis Sorbas, der 1964 mit Anthony Quinn in der Titelrolle verfilmt wurde. Unvergessen die Schlussszene, in der Sorbas, nachdem die von ihm mit großer Leidenschaft gebaute Materialseilbahn hinauf zum Bergwerk bei der Jungfernfahrt wie ein Kartenhaus zusammen gebrochen war, mit dem sensiblen Dichter Basil den berühmten Sirtaki tanzt.

Freimaurer wurde Nikos Kazantzakis im zarten Alter von 24 Jahren in Athen. Auf seinen Wanderjahren verbrachte er auch einige Zeit in Wien.

Anlässlich seines 60. Todestages wurde er in Wien im Metro-Kino mit einem dreitägigen Kazantzakis-Festival geehrt: drei vom Pianisten Christos Marantos gestaltete Kazantzakis-Abende mit Vorträgen, Musik (u.a. mit einer Uraufführung), Literatur und den Filmen Alexis Sorbas, The Last Temptation of Christ und eine Film-Doku über Leben und Werk: Details hier.

Dem vorausgegangen war ein internes Symposion der Großloge über Kazantzakis.

Der Grabstein Kazantzakis‘ in Iraklio auf Kreta: „Δεν ελπίζω τίποτα. Δε φοβούμαι τίποτα. Είμαι λέφτερος.“

„Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei.“ (Foto: Hartmut Riehm)

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Wien-Meidling: „Freimaurerische Grafik im Kleinformat“

So heißt eine Ausstellung im Bezirksmuseum Wien-Meidling, in dem vor allem freimaurerische Exlibris gezeigt werden. Exlibris sind postkartengroße oder noch größere „Eigentumszeichen“ aus Papier, oft kleine Kunstwerke, die in Bücher hineingeklebt werden, damit klar ist, wem das Buch gehört. Sie waren vor allem früher üblich als Bücher noch kostbar gewesen sind.

Die Ausstellung zeigt aus den Beständen von Sammlern vor allem historische Exlibris, die einen Bezug zur Freimaurerei haben: entweder indem sie Freimaurer gehörten oder von Freimaurer-Künstlern gestaltet wurden oder freimaurerische Motive zeigen.

Darüber hinaus sind in der Ausstellung aber auch verschiedene freimaurerische Gegenstände und Texttafeln zu sehen, welche das Wesen der Freimaurerei erklären.

Ein Exlibris des weltberühmten Wiener Psychoanalytikers Alfred Adler (1870–1937), der in Abgrenzung zu Sigmund Freud die Individualpsychologe entwickelte. Er war vor dem Ersten Weltkrieg Mitglied der (Grenz-)Loge Pionier. Sein Exlibris ist eine 125 mal 172 Millimeter große Radierung, gestaltet vom Künstler Jakob Bayer.

Bezirksmuseum Wien-Meidling, Längenfeldgasse 12A (U4/U6); So 9.30-11.30 und Mi 9.00-12.00 und 16.00-18.00 Uhr

Exlibris Ausstellung im Museum Meidling
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Bruder Mozart: Alle seine Logenlieder

Die Salzburger Hofmusik feiert 2017 25 Jahre. Ihr Jubiläumskonzert widmete sie am 15. September dem berühmtesten Sohn der Stadt: dem Freimaurer Wolfgang Amadeus Mozart, und zwar allen Freimaurerkompositionen des Musikgenies jenseits der Zauberflöte. Je nach Zählweise sind es elf oder zwölf, vorwiegend Kantaten.

Auf ihrer Website schreibt die Hofmusik: „In seinen letzten Jahren in Wien komponierte Mozart eine Fülle an Musiken für die Verwendung innerhalb der Freimaurerlogen. Diese faszinierenden Stücke sind heute so gut wie nie in den Konzertsälen zu hören. Die Salzburger Hofmusik spielt auf historischen Instrumenten sämtliche Freimaurer-Kompositionen Mozarts (mit Ausnahme der „Zauberflöte“). Durch die Verwendung von Instrumentarium aus jener Zeit gewinnen die Kantaten, Lieder und Instrumentalstücke zusätzlich an Wärme, Deutlichkeit und Spritzigkeit.“

Diese Musik gibt es auch auf CD. Details: Mozarts Logenmusik

Weitere Informationen auf der Website der Salzburger Hofmusik

Die variabel zusammengesetzte Salzburger Hofmusik widmet sich vor allem Werken aus dem 17. bis ins frühe 19. Jahrhundert. Der Name des Ensembles geht auf die alte Hofkapelle des Salzburger Fürsterzbischofs zurück. Salzburg war bis 1803 ein selbständiges Fürsterzbistum. Dann kam Napoleon, und nachdem das vorüber war wurde das Land unter den Habsburgerkaisern ein Teil Österreichs.

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300 Jahre in den Zeitungen

Wenn man in der zweiten Junihälfte 2017 österreichische Zeitungen zur Hand nahm, konnte man den Eindruck gewinnen: Überall wird über den geheimnisvollen Bund berichtet. Der Anlass war natürlich die Ausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek über 300 Jahre Freimaurerei, die wiederum von der Gründung der ersten Großloge der Welt in London im Jahr 1717 inspiriert worden war:

Link zur Freimaurer-Ausstellung.

Für die österreichischen Freimaurer war das mediale Interesse eher ungewohnt. Abgesehen von dieser Website präsentieren sich unsere Logen kaum nach außen. Und auch die österreichischen Medien beschäftigen sich nur selten mit der Freimaurerei.

Durch die Ausstellung in der Nationalbibliothek war das plötzlich anders, wobei die meisten Zeitungen dies zum Anlass nahmen, nicht nur über die Ausstellung selbst zu berichten, sondern auch über die Freimaurerei im allgemeinen.

Der folgende Link führt zu einem Überblick. Er ist keineswegs vollständig, er dokumentiert nur die wichtigsten Berichte:

300 Jahre Freimaurerei in den Medien.

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300 Jahre im ORF

Das Freimaurerjubiläum des Jahres 2017 spiegelt sich auch im Programm des Österreichischen Rundfunks wieder: im Fernsehen, im Radio und in ORF-Online. In allen drei Medien gab es mehrere Darstellungen der Freimaurerei. Wir möchten Ihr Augenmerk auf drei lenken, die sich mit der Freimaurerei im allgemeinen und mit der österreichischen im besonderen beschäftigt haben; drei Produktionen, von denen wir annehmen, dass sie über das Internet langfristig erreichbar sind:

Fernsehen ORF2 und ORFIII: Eine 45-Minuten-Dokumentation von Wolfgang Winkler: TV-Dokumentation „Die Freimaurer“

Radio Ö1: In der Sendung „Praxis – Religion und Gesellschaft“ ein ungefähr 20 Minuten langer Beitrag: Ö1-„Praxis“ über die Freimaurer

orf.at: Eine Gesamtschau mit verschiedenen Aspekten der Freimaurerei: orf.at über die Freimaurerei

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300 Jahre Freimaurerei

Die Freimaurerlogen feiern 2017 ein rundes Jubiläum: Im Jahr 1717, also vor genau 300 Jahren, wurde in London die erste Großloge der Welt gegründet, also der erste Logen-Dachverband. Auch wenn es schon zuvor Logen gab, gilt das Jahr 1717 heute als das Gründungsjahr der modernen Freimaurerei. Von London aus hat sich diese über die ganze Welt verbreitet.

Da die englische Freimaurerei beispielgebend für die meisten Logen der Welt geblieben ist, wird das Jubiläum nicht nur in England gefeiert, sondern überall auf der Welt. Auch in Österreich: für die Öffentlichkeit vor allem mit einer großen Freimaurerausstellung in der Nationalbibliothek in Wien, mit „einem Blick hinter die Kulissen dieser ebenso bekannten wie geheimnisvollen Bruderschaft“, wie es im MAGAZIN der Nationalbibliothek heißt.

Die Schau wurde von einem Nicht-Freimaurer organisiert, dem Kulturwissenschaftler und Ausstellungskurator Christian Rapp. Unsere Großloge hat ihn zwar wie auch andere mit Leihgaben unterstützt, die Letztentscheidung lag jedoch immer beim Veranstalter.

Besonders reizvoll daran ist auch der äußere Rahmen: Die Ausstellung befindet sich im barocken Prunksaal der Nationalbibliothek. Dieser stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert und ist somit ungefähr gleich alt wie die moderne Freimaurerei.

Nach der feierlichen Eröffnung der Ausstellung am 22. Juni durch Altbundespräsident Heinz Fischer strömten die Gäste in den Prunksaal:

Nähere Informationen: Freimaurer-Wiki: Ausstellung Wien 2017 und Österreichische Nationalbibliothek

Die Ausstellung dauert bis Anfang Jänner 2018.

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Über die Wiener Rauhensteingasse

Diese Gasse ist seit 1985 die Adresse der ‚Großloge von Österreich’: mitten im Zentrum Wiens nur wenige Gehminuten entfernt vom Stephansdom, dem ideellen Mittelpunkt der Stadt.

In ihrem im März 2017 erschienen Buch „Die Geheimnisse der Inneren Stadt – Verborgene Orte im Alten Wien“ (Metroverlag) widmen die Autoren Maria Mustapic und Günter Fuhrmann dieser Gasse ein ganzes Kapitel, eines von vierzehn. Und sie konzentrieren sich darin auf zwei „offene Geheimnisse“ der Rauhensteingasse, nämlich auf den Sitz der ‚Großloge von Österreich‘, was sie zum Anlass nehmen, das „Geheimnis“ Freimaurerei zu lüften. Und zweitens auf das Haus, in dem der Freimaurer Wolfgang Amadeus Mozart sein letztes Lebensjahr wohnte und 1791 starb; von diesem Gebäude ist allerdings nichts mehr übrig, nur eine Erinnerungstafel weist darauf hin.

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Wir Freimaurer verstehen den Menschen als „rauen Stein“, als charakterlich unvollkommenes aber verbesserbares Humanum also. Und so ist jeder Freimaurerbruder aufgerufen, aus seinem rauen Stein einen – wie es in der Freimaurersprache heißt – behauenen Stein zu machen, also einen charakterlich weniger unvollkommenen Menschen.

Wenn nun also die Großloge von Österreich in einer Gasse angesiedelt ist, die just „Rauhensteingasse“ heißt, könnte man meinen, die Stadt Wien habe die Gasse zu Ehren der Freimaurer so genannt. Aber dem ist nicht so. Während die Großloge erst ein paar Jahrzehnte hier angesiedelt ist, trägt die Gasse ihren Namen schon seit Jahrhunderten.

Aber woher kommt dann dieser Straßenname? Das ist nicht ganz klar. Und wie immer, wenn etwas unbestimmt ist, gibt es verschiedene Deutungen. In dem Buch sind sie nachzulesen – genauso wie vieles andere über die Rauhensteingasse und in weiteren dreizehn Kapiteln noch viel mehr über die „Geheimnisse“ der Wiener Inneren Stadt.

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Ein neues Handbuch zur Freimaurerei

Helmut Reinalter (Hg.) – Freimaurerei: Geheimnisse, Rituale, Symbole – Ein Handbuch. Salier-Verlag, Leipzig im April 2017.

Ein Buch von großer thematischer Breite und dennoch beachtlicher Tiefe, herausgegeben vom Innsbrucker Historiker und Freimaurerforscher Helmut Reinalter. Auf 170 Seiten werden 26 Stichwörter behandelt, die direkt oder indirekt etwas mit der Freimaurerei zu tun haben. Reinalter hat einige selbst geschrieben und zehn weitere hochrangige Autoren organisiert.

Das Handbuch versteht sich als Nachschlagewerk aber ebenso als Einführung in die wichtigsten Begriffe der europäischen Freimaurerei. Deren Substanz wird in den 26 Suchbegriffen, die jeweils nur wenige Seiten lang sind, kompakt erklärt. Dabei werden auch die kulturell-geistigen Strömungen der jeweiligen Zeit und ihre Wirkungsgeschichte berücksichtigt, wodurch sich dieses Buch durchaus von anderen masonischen Publikationen unterscheidet.

Es ist dies ein Werk, für das wir den etwas abgedroschenen Satz ohne Bedenken niederschreiben können, dass es in keiner Bibliothek fehlen sollte, jedenfalls in keiner, dessen Inhaber sich für die Freimaurerei interessiert.

Weitere Details zum Inhalt: Rezension Reinalter-Handbuch

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„Die Arbeit an sich selbst …“

… so der Großmeister der ‚Großloge von Österreich‘, Georg SEMLER, in der ORF-Fernsehsendung ‚erLesen’ auf die Frage von Moderator Heinz SICHROVSKY nach dem Sinn der Freimaurerei.

SEMLER: „Der Sinn liegt in der Arbeit an sich selbst durch jeden einzelnen Bruder, der Arbeit an der eigenen Persönlichkeit in Richtung unserer Grundwerte wie Humanität und Toleranz.“

SICHROVSKY: „Welche Erfolgsaussichten hat so etwas?“

SEMLER: „Man soll nichts unversucht lassen. Das gemeinsame Erleben im freimaurerischen Ritual hilft dabei. Es wirkt einerseits emotional indem es Geborgenheit und Vertrauen schafft, und andererseits intellektuell durch Vorträge, die dann durchaus kontrovers diskutiert werden können. Dabei liegt der Gewinn für den Einzelnen in der Erkenntnis, dass ein und dasselbe Thema ganz unterschiedlich betrachtet werden kann, dass es immer eine Vielfalt möglicher Antworten gibt.“

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SICHROVSKY: „Und was ist mit den Strategien zur Förderung der beruflichen Karriere oder der Geschäfte? Man liest immer wieder, die Freimaurer schieben einander die Posten zu?“

SEMLER: „Wenn das ein Mitglied erwartet, könnte ich ihm nur sagen, dafür gibt es viel besser geeignete Institutionen; bei uns wirst du schreckliche Enttäuschungen erleben. Die Freimaurerei richtet sich an den Einzelnen, an sein Gewissen, an seinen Intellekt, an seinen Charakter. Er soll sich durch die Impulse, die er bei uns erfährt, weiter entwickeln können. Das ist das einzige Anliegen der Freimaurerei.“

Dies ist eine kleine Auswahl dessen, was am 31. Jänner 2017 in der Sendung ‚erLesen’ im Kultur- und Informationsprogramm ORFIII zu hören war. Die Fragen und Antworten sind leicht gekürzt. Eingeladen wurde der Großmeister wegen der bevorstehenden 300-Jahr-Feiern überall auf der Welt in Erinnerung an die Gründung der ersten Großloge in London im Jahr 1717. Weitere Gäste waren die Buchautoren Andreas Englisch, Johannes Huber und Anneliese Rohrer. Außer um die Freimaurerei ging es um die Kirche, auch um deren Verhältnis zur Freimaurerei; um Politik und um so weitreichende Fragen wie die evolutionäre Zukunft des Menschen.

Bei YouTube kann man die ganze Sendung nachsehen (45 Minuten): TV-Sendung ‚erLesen‘ 31.1.17

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„Mozart und seine Wiener Netzwerke“

Das ist der Titel einer Ausstellung im Wiener Mozarthaus. Viele der Freunde und Förderer Mozarts waren Freimaurer, nachdem er 1781 von Salzburg nach Wien übersiedelt war. Und auch er selbst trat 1784 der Loge ‚Zur Wohltätigkeit‘ bei. Für seine Brüder komponierte er Freimaurermusik im engeren Sinn (Beispiel: Freimaurerkantaten) und im weiteren Sinn (etwa die Zauberflöte). Bis zu vierzig Prozent des Publikums in seinen Konzerten waren Logenmitglieder, berichtet Manfred Wagner, der Kurator der Ausstellung. Männer der Aufklärung waren das mit Beziehungen bis ganz hinauf zu Kaiser Joseph II. Sie hatten vor allem eines im Sinn: Sie wollten die Welt mit ihren neuen Ideen verbessern, also mussten sie diese unter die Leute bringen.

Typisch für Wien war, dass dies mit Hilfe der Kunst versucht wurde. Die Wiener Klassik war dafür die ideale Bühne, „die Sonaten und Sinfonien mit ihren dialektischen Themen und deren Diskussion in der Durchführung, die Inklusion des Tanzes in die Struktur, die Konfrontation von Individuum und Kollektiv im Instrumentalkonzert und schließlich die Oper, die an Menschenmodellen darstellte, was gelebte Aufklärung bedeutete“ (Manfred Wagner). In diesem hochkonzentrierten Netzwerk von Freimaurern und Nichtfreimaurern bewegte sich Mozart. Das fiel ihm nicht schwer. Angeleitet von seinem Vater scheute er schon als Kind keine Kontakte zu Künstlern, Intellektuellen, Verlegern, reichen Bürgern oder Adeligen.

Dies ist das Thema der Ausstellung „Mozart und seine Wiener Netzwerke. Ein Querschnitt“ im Mozarthaus in der Wiener Domgasse 5 gleich hinter dem Stephansdom. Sie dauert bis Mitte Jänner 2018. Eintritt 11 Euro.

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In der Ausstellung zu sehen: Kaiser Joseph II. am Spinett mit zwei seiner Schwestern, Josef Hauzinger, 1778. – Und rechts davon das berühmte unvollendete Bild „Mozart am Klavier“, gemalt von Joseph Lange, 1789. Lange (1751 bis 1831) war Mozarts Schwager. Sie kannten einander sehr gut, und es ist „vermutlich auch symbolisch richtig, dass das Ölgemälde nicht mehr vollendet wurde.“ (Manfred Wagner). Mozart starb zwei Jahre später im Alter von 35 Jahren. Foto: Mozarthaus Vienna/Eva Kelety

Link zum Mozarthaus

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