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Johann Wolfgang von Goethe:  Symbolum

Des Maurers Wandeln,
Es gleicht dem Leben,
Und sein Bestreben,
Es gleicht dem Handeln
Der Menschen auf Erden.

Die Zukunft decket
Schmerzen und Glücke
Schrittweis dem Blicke;
Doch ungeschrecket
Dringen wir vorwärts

Und schwer und ferne
Hängt eine Hülle,
Mit Ehrfurcht, stille
Ruhn oben die Sterne
Und unten die Gräber.

Betracht‘ sie genauer
Und siehe, so melden
Im Busen der Helden
Sich wandelnde Schauer
Und ernste Gefühle.

Doch rufen von drüben
Die Stimmen der Geister,
Die Stimmen der Meister:
Versäumt nicht zu üben,
Die Kräfte des Guten!

Hier winden sich Kronen
In ewiger Stille,
Die sollen mit Fülle
Die Tätigen lohnen!
Wir heißen euch hoffen.

Johann Wolfgang von Goethe war Mitglied der Loge ‚Anna Amalia’ in Weimar. In mehreren seiner Werke klingen freimaurerische Ideen an, ganz besonders im ‚Wilhelm Meister’. Und er schrieb eine Reihe von Gedichten und Prosatexten, die sich direkt auf die Freimaurerei beziehen. Berühmt ist dieses ‚Symbolum’.

Das ‚Internationale Freimaurer-Lexikon’ von 1932/2002 von Lennhoff-Posner-Binder bezeichnet das Gedicht als das am tiefsten Reichende, was jemals über Freimaurerei gesagt wurde. In ergreifender Weise reflektiere Goethe in dem Gedicht das ganze Wesen der maurerischen Symbolik, das Wandern des Maurers durch die drei Grade Lehrling, Geselle und Meister als Abbild des höheren geistigen Menschenlebens, und im übertragenen Sinn sein Wandern durch Leben und Tod.

Symbole spielen in der Freimaurerwelt eine große Rolle. Die bekanntesten sind wohl Winkelmaß und Zirkel: ineinander verschränkt das Freimaurerzeichen schlechthin. Besonders anschaulich und für jedermann verständlich ist der ‚rauhe Stein’, das Sinnbild der menschlichen Unvollkommenheit, die es gilt, im Laufe des Lebens ein wenig zu glätten, also abzubauen. Andere Sinnbilder weisen auf unsere Sterblichkeit hin. Die Symbole sind ein wichtiges Ausdrucksmittel im Ritual und haben den Sinn, den Freimaurer bei seiner Arbeit an sich selbst zu unterstützen.

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